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Mai 07

6 Tage von Perth nach Exmouth – Teil 1

Oder auch: Der Wilde Westen ruft

Der letzte große Abschnitt meiner Australienreise hat mich an die Westküste geführt. Sechs Tage lang ging es mit einer vorab gebuchten Tour vom Startpunkt Perth aus immer an der Küste entlang nach Norden, wo sie dann in Exmouth endete.

Im Gegensatz zur Ostküste Australiens steht die Westküste bei weniger Reisenden auf dem Wunschzettel, deshalb stand sie bei mir ganz oben. Ich habe hier vor allem auf nicht ganz so ausgetretene Pfade und fast-noch-Geheimtipps gehofft. Und natürlich auf eine nette Gruppe, mit der ich ja doch recht lange klarkommen musste.

Im Gegensatz zu meinen bisherigen Touren in Tasmanien und an der Great Ocean Road haben wir bei dieser nicht ein Highlight nach dem anderen gesehen. Das fand ich vor allem am Anfang nicht so gut. Schließlich reißen solche Fahrten mit Kleinbus, Vollverpflegung und Guide schon ein recht großes Loch ins Budget eines Backpackers. Dann will man für sein Geld auch was geboten bekommen. Als ich mich aber erstmal an diese Art der Tour gewöhnt und die anderen Gruppenmitglieder ein wenig kennen gelernt hatte, hat mir die Zeit wirklich gut gefallen.

Am ersten Tag ging es in den Yanchep National Park, wo es Kängurus und Koalas, Schildkröten und Kakadus zu sehen gibt. Natürlich finde ich die Tiere super. Wenn man sie aber schon mal in freier Wildbahn gesehen hat, macht die Beobachtung von Kängurus und in West-Australien eigentlich nicht mehr vorkommenden Koalas in Gefangenschaft nur noch halb so viel Spaß.

Nach einem Ausflug in die Sanddünen von Lancelin ging es zum Höhepunkt des Tages: den Pinnacles, die wir pünktlich zum Sonnenuntergang besucht haben. Das sind kurios aussehende Gesteinsformationen, die geballt in einer Wüste stehen. Wie genau die Felsen entstanden sind, ist nicht ganz klar. Man geht davon aus, dass das Gebiet mal unter Wasser stand, sich dann Bäume angesiedelt haben, die nach und nach verrottet sind und übrig geblieben ist der inzwischen versteinerte Sand, der zuvor in den hohlen Baumstämmen war. Wie auch immer sie entstanden sind, sie sind beeindruckend. Soweit das Auge reicht, sieht man überall Türme. Man steht in einer Wüste und sieht am Horizont das Meer. Dazwischen sind die Pinnacles. Überall. Wahnsinn!

Am zweiten Tag waren wir in einem anderen Land. Und das mitten in Australien. Klingt komisch, ist aber so. Wobei ich immer noch nicht so richtig weiß, was ich von der ganzen Aktion halten soll. Die Hutt River Province wurde von einem Australier gegründet, der mit Gesetzesveränderungen der Regierung nicht einverstanden war und durch ein Schlupfoch in der Verfassung an ein großzügiges Gelände mitten im Nirgendwo kam. Dort hat er sein eigenes Land errichtet, in dem er mit seinen Nachkommen lebt. Die Provinz wird von einigen Ländern anerkannt und hat alle Symbole, die man als Land so braucht: eine Flagge, Geldscheine, Briefmarken, einen Pass. Darüber, dass in der Region nur ca. 20 Leute leben, es weder Arzt noch Schule gibt, wird großzügig hinweg gesehen. Während unseres Besuchs und dem Gespräch mit Prince Leonard, der das Land errichtet hat, war ich permanent hin und her gerissen zwischen „Was für eine Spinnerei!“ und „Cool, endlich mal einer, der rebelliert!“.

Der dritte Tag begann sportlich mit einer Wanderung im Kalbarri National Park. Dort gibt es eine wunderschöne Schlucht, in die man hinab klettern kann.Und „klettern“ meine ich wörtlich. Die angekündigten nervtötenden Fliegen, die in der Region stark vertreten sind, hielten sich hier noch in Grenzen. Als Ersatz gab es spektakuläre Aussichten und eine Abseil-Erfahrung für die Abenteuerlustigen unter uns, zu denen ich mich eher nicht zähle. 

Ebenfalls im Kalbarri National Park befindet sich das „Nature’s Window“, das mich ziemlich beeindruckt hat. Trotz Lichtschwierigkeiten lädt es geradezu zu einem Fotoshooting ein, denn es ist auf einer Art Gipfel zwischen zwei Schluchten. Unten sieht man auf beiden Seiten einen Wasserlauf, der Horizont ist unendlich weit weg.

Der Tag endete in der Gegend um Shark Bay. Zunächst hielten wir am Shell Beach. Tatsächlich gibt es dort kein Sand, sondern ausschließlich kleine Muscheln. Und dort gab es sie dann, die nervtötenden Fliegen. Und zwar gefühlt acht Millionen von ihnen. Und alle davon wollten in mein Gesicht fliegen. Ich war dem Wahnsinn nahe. Es grenzt an ein Wunder, dass mir Fotos ohne Fliege im Bild gelungen sind. Es war so schlimm, dass ich ehrlich froh war, als wir endlich weiter gefahren sind.

Außerdem gibt es in der Shark Bay – wie der Name ahnen lässt – Haie. An einem bestimmten Punkt kann man nach sich bewegenden Schatten im Wasser Ausschau halten. Das haben wir natürlich gemacht und wir hatten Glück: Zwei Haischatten konnten wir erahnen. Aber fragt jetzt bitte nicht, wie groß die waren oder welcher Art sie angehörten. Da fehlt mir jegliche Idee.

Bewertung bislang: 3 von 5 Punkten

Spoiler: In Teil zwei gibt es Delfine, Dünen und Dingos.

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