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Apr. 26

Drei Tage Great Ocean Road

Oder auch: Der Ton macht die Musik

Nach meiner letzten Drei-Tages-Tour in Tasmanien, die ich rückblickend als nicht ganz so gelungen empfinde, hatte ich etwas Bammel, als ich an einem Dienstagmorgen viel zu früh als letzte in den kleinen Tourbus stieg.

Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen konnte: Es sollte die beste Tour meiner Zeit in Australien bislang werden. Und die Sitzplatzwahl war äußerst gelungen. Um mich herum saßen vier deutschsprachige Leute, die mir so viel Spaß gemacht haben, dass die Tour auf einer deutschen Autobahn durch’s Ruhrgebiet hätte stattfinden können. Ich hätte es genossen.

Zum Glück hat sie aber an einer der spektakulärsten Küstenstraßen der Welt entlang geführt. Die Great Ocean Road ist das längste Denkmal, dass es so gibt und wurde von Kriegsheimkehrern nach dem Zweiten Weltkrieg mit Händen und ein wenig Werkzeug erbaut. Sie sollte die entlegeneren Orte an der Südküste mit Melbourne verbinden. Heute ist sie eine beliebte Straße für Backpacker. Und das aus Gründen, die sich besser zeigen als erklären lassen:

Leider drücken die Bilder nicht annähernd aus, wie überwältigend und mächtig die Steilküste und die riesigen Wellen auf einen im Vergleich winzigen Menschen wirken. Wir haben die größten Wellen auf etwa acht Meter geschätzt. Wie hoch die Felsen sind, kann man sicher nachlesen oder schätzen, vor allem aber waren sie atemberaubend.

Am bekanntesten und am kitschig-schönsten sind sicherlich die Twelve Apostels, von denen nicht alle tatsächlich in Felsenform existieren. Dass wir pünktlich zum Sonnenuntergang angekommen sind, hat den spektakulären Eindruck ganz sicher noch verstärkt.

Die Unterkünfte auf solchen Touren sind übrigens recht einfach. Geschlafen wird im Mehrbettzimmer eines Hostels. Telefon- und Internetempfang gibt es gelegentlich, Duschen sind rar und das Frühstück ist mitten in der Nacht. Aber das Schöne an einem 14-Bett-Zimmer und gemeinsamen Abwaschen ist das sofort aufkommende Gefühl einer Klassenfahrt und eine gewisse Abenteuerlust, die alle zusammenschweißt.

Am zweiten Tag durften wir dann endlich an einen Strand zwischen den Felsen. Unheimlich wird der Gedanke aber, wenn man hört, wie viele Schiffe an der Küste schon gesunken sind und wie viele Menschenleben das gekostet haben muss. Zum Glück gibt es an dieser konkreten Stelle aber eine Heldengeschichte zu erzählen, bei der ein junger Matrose sich selbst und eine mit ihm in Seenot geratene Passagierin retten konnte, der Höhle und einem ebenfalls gestrandeten Rumfass sei Dank.

Nach anderthalb Tagen Küste mussten wir Abschied nehmen von der Great Ocean Road und sind ins Hinterland in die Grampians gefahren. Dort haben wir einen Abstecher zu den McKenzie Falls gemacht, endlich wilde Koalas entdeckt und viele große Kängurus beobachtet. Und wir haben unsere ganz eigenen Erfahrungen mit Emus gemacht. Diese respekteinflößenden Laufvögel halten sich gerne an Barbecue-Plätzen auf. Dort klauen sie den ganz cleveren Menschen wie mir mitunter mal ein halbes Brötchen (und ersticken fast daran). Besonders intelligent sind Emus aber nicht. So kann man sie, wenn sie zu aufdringlich werden, ganz einfach verjagen, indem man sich groß macht, einen Arm nach oben hält und die Hand als „Emu-Kopf“ nimmt. Dann denkt das Dummerchen, das ein viel größerer Vogel hinter ihm her wäre und rennt davon. Leider macht dem gemeinen Backpacker so ein Quatsch natürlich Spaß, weswegen der Emu an unserem Rastplatz wohl froh war, als wir endlich wieder weg waren.


Am dritten und letzten Tag sind wir dann meiner Lieblingsbeschäftigung nachgegangen und gewandert. Wandern ist das, was ich normalerweise gerne vermeide, da sich mir der Sinn dieser Tätigkeit noch nicht ganz erschlossen hat. Landschaften genießen kann ich besser, wenn ich nicht ununterbrochen auf meine Füße starren muss, um keinen Stolperstein zu übersehen. Aber im konkreten Fall habe ich natürlich mitgemacht und das Ganze sogar ohne bleibende Schäden oder Stürze überstanden. Und ich gebe zu: Die Aussicht da oben war wirklich und ehrlich richtig schön!

Als wir nach einer ewig langen Busfahrt in der Dunkelheit dann Adelaide erreicht haben, war ich ehrlich traurig. Diese Tour hat mir Spaß gemacht und auch wenn ich hundemüde war, hätte ich mit dieser Truppe und unserem tollen Guide noch ewig weiterreisen wollen. Obwohl die Great Ocean Road als Ziel schon unantastbar ist, sind es eben doch die kleinen Dinge, die einen Ausflug zu einem sehr guten Ausflug machen: das Wetterglück, die nette Gruppe, der perfekte Guide und das gelungene für-alle-was-dabei-Essen.

Bewertung insgesamt: 5 von 5 Punkten

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