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Nov. 03

Festival de Barriletes Gigantes in Sumpango

Oder auch: Auch so kann man mit dem Tod umgehen

Wenn man am 1.11. irgendwo in Lateinamerika unterwegs ist, muss man diesen wichtigen Feiertag als Anlass nehmen, um sich mal so richtig in einen Kulturschock zu stürzen. Also habe ich die vom Hostel angebotene Tour zum Sumpango Festival gebucht und bin vormittags mit einer lustigen Truppe Reisender in einen alten amerikanischen Schulbus gestiegen und eine gute Stunde später im kompletten Chaos angekommen.

Den Beginn fand ich ganz furchtbar. Wir sollten einen Weg entlang gehen. Der hatte ungefähr 75% Steigung und so viele Menschen auf zu wenig Platz verteilt, dass in Deutschland schon längst das „Wegen Überfüllung geschlossen“-Schild am Eingang gehangen hätte. Wir haben uns eine Ewigkeit lang in der prallen Hitze Zentimeter für Zentimeter den Hang hinauf gekämpft, ohne zu wissen, wohin uns dieser Weg eigentlich führen sollte.

Oben angekommen, ging es dann aber erst so richtig los: Tausende von Menschen, die aus meiner Sicht planlos durcheinander rannten, laute Musik, Verkaufsstände, ein alter Sportplatz und jene riesige Drachen, nach denen das Festival benannt ist. Nachdem ich meine zunächst große Überforderung mithilfe einiger Leute aus meiner Gruppe überwunden hatte, siegte die Neugier und ich versuchte, das Geschehen um mich herum zu verstehen. 

Das Drachenbauen ist in Sumpango eine uralte Tradition, für die ich zwei mögliche Erklärungeen gefunden habe. Entweder sollen sie verstorbenen Familienmitgliedern Nachrichten überbringen oder aber sie sollen die Seelen der Verstorbenen vor bösen Geistern schützen. In beiden Fällen ist das Festivaldatum an Allerheiligen natürlich kein Zufall. Traditionell versammeln sich die Familien hier an den Gräbern der Verwandten und feiern, trauern, singen, essen und erinnern sich gemeinsam. Auf dem Friedhof neben dem Festivalgelände wurde deutlich, dass mit dem Tod in Guatemala ganz anders umgegangen wird als z.B. in Deutschland. Beeindruckend finde ich, wie bunt und einladend die Gräber hier gestaltet sind.

Zurück auf dem Festival begann nun das große Drachensteigen. Nicht alle der gebauten Riesen sollten fliegen. Die größten bestanden aber auch aus Baumstämmen und waren mehrfamilienhausgroß. Nachdem sogar die „Kleinen“ (mit guten sechs Metern Durchmesser) manchmal steil in die Zuschauer krachten, ist mir ohnehin ein Rätsel, warum es nicht ständig Verletzte gibt. Einige der Drachen flogen aber wirklich richtig hoch und richtig lange.

Am anderen Ende der wirklich langen Seile hingen jeweils ein paar junge Männer oder Frauen und rannten durch die Masse, die vor allem mit Ausweichen beschäftigt war. Jede Gruppe bekam ihren verdienten „Applauso“, egal wie kurz oder lang der Flug des Drachen war.

Die Stimmung war insgesamt gigantisch. Viele hatten ihre eigenen kleinen Drachen mit und man konnte fühlen, dass der Tag etwas Besonderes für die tausenden von Menschen hier war. Noch lange nach dem Ende der Wettbewerbe sangen und tanzten die Menschen auf dem Platz. Und auch wir waren zwar regelrecht mit Dreck paniert, hatten aber schlussendlich eine Menge Spaß am Tag der Toten.

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