Oder auch: Kann man sich trotz Jetlag und Orientierungslosigkeit irgendwo wohlfühlen?
Seit ungefähr 24 Stunden bin ich in Guatemala. Von Amsterdam aus bin ich über Mexico-City nach Guatemala-Stadt geflogen. Die Einreise nach Mexiko war umständlich und ich hab dämliche Fehler gemacht. Es ist eher nicht empfohlen, nur der Masse nachzulaufen und dann plötzlich mit Gepäck vor der Sicherheitskontrolle zu landen. Müdigkeit und verschiedene Systeme am Flughafen (Warum muss ich denn bei einem Transit mein Gepäck holen?) zollten hier wohl ihren Respekt. Auch der Aufenthalt im mexikanischen Flughafen war furchtbar, denn ohne US-Dollar oder mexikanische Pesos und ohne Wlan blieb mir ungefähr eins: rumsitzen und warten. Als ich irgendwann dem Koller nah war, weil es in dem Wartebereich nicht mal Fenster gab und ich so gleich gar nicht mehr wusste, ob Tag oder Nacht war, bin ich etwas rumgelaufen und zufällig am richtigen Gate gelandet. Dort war es zwar auch langweilig, aber zumindest gab es Tageslicht.
In der kleinen Maschine nach Guatemala-Stadt ist mir vor allem aufgefallen, dass fast nur Männer anwesend waren. Warum das so war, habe ich aber noch nicht rausgefunden. Die Einreise nach Guatemala war dann um einiges einfacher als nach Mexiko, wenngleich ich etwas um mein Gepäck gebangt habe. Man darf hier auch nicht selbst entscheiden, ob man durch das grüne „Nichts zu verzollen“-Tor gehen darf oder beim roten kontrolliert wird. Das entscheidet ein Zufalls-Button, den man vor den Toren drücken muss. Verstanden hab ich den Sinn nicht, aber ich durfte durch den grünen Ausgang nach draußen.

Und da war es dann: dieses ganz fremde Guatemala, das mich direkt zu Beginn komplett überfordert hat. Vor den automatischen Türen des kleinen Flughafens warten hunderte Menschen auf die Ankommenden. Frauen und Kinder, Händlerinnen und jede Menge Männer, die einem mit einem gerufenen „Antigua?“ einen Shuttleservice in eben diese Stadt verkaufen wollen.
Nachdem ich einen Geldautomaten gefunden und tatsächlich Bargeld ergattert hatte, hatte ich nun also die Qual der Wahl. Am seriösesten schienen mir die beiden Shuttle-Stände *im* Flughafengebäude, also hab ich meine neu erworbenen Quetzal dort investiert. Noch immer stark verunsichert, lief ich nun also einem Mann hinterher, der mich zum Glück zu einem echten und vertrauenserweckenden Kleinbus gebracht haben, vor dem schon weitere Backpacker warteten. Von hier an war ich beruhigt.
Die ca. einstündige Fahrt verging recht angenehm, weil ich mit meinem Sitznachbar ins Gespräch gekommen bin. Die Straßenverhältnisse und -regeln sind sicherlich nicht mit europäischem Standard zu vergleichen, aber deutlich besser, als ich befürchtet hatte.
Mein Hostel in Antigua ist traumhaft. Es strahlt eine dermaßen entspannte Atmosphäre aus, dass man gar nicht mehr gestresst sein kann. Und man hat kein schlechtes Gewissen, wenn man im Hostel entspannt, statt die Welt zu erkunden.

Mit ein paar Leuten aus dem Hostel bin ich dann in die Stadt gegangen, um den Markt zu erkunden und etwas zu Essen zu organisieren. Die Innenstadt ist wahnsinnig quirlig und ich werde wohl noch eine Weile brauchen, bis ich mich hier zurecht finde. In manche Ecken des Marktes wäre ich alleine sicher nicht gegangen, aber bedroht oder gefährdet habe ich mich (bislang) zu keinem Zeitpunkt gefühlt.

Der erste Tag ging für mich natürlich relativ schnell zu Ende, dem Jetlag sei dank. Die meisten meiner ersten Befürchtungen sind aber verflogen, sodass ich mich jetzt darauf freue, dieses hübsche und interessante Land zu entdecken!
