Oder auch: Zwischen feurigen Felsen und weinroten Buchten
Mein erster mehrtägiger Ausflug in Australien führte mich entlang der Ostküste Tasmaniens. Die ganze zuvor gebuchte Tour fand in einer Gruppe von 17 Reisenden und einem Guide statt. Mit beiden war ich nicht hundertprozentig zufrieden. Aus meiner Sicht hätte der Guide unterhaltsamer und die Gruppe mehr eine „Gruppe“ sein können. So bestand die größte Gemeinsamkeit von uns allen darin, dass wir uns einen Bus geteilt haben.
Aber von Anfang an. Am ersten Tag saßen ungefähr zehn Stunden lang im Bus. Zunächst, weil ein Teil der Gruppe aus Hobart, der andere Teil aus Launceston im Norden der Insel abgeholt und zu einem zentralen Treffpunkt gebracht wurden. Von da an ging es gemeinsam weiter in Richtung Norden. Unterbrochen wurde die Fahrerei von diversen Fotostops an mal mehr, mal weniger spektakulären Aussichtspunkten.
Highlight des Tages war die Bay of Fires, bei der durch eine chemische Reaktion viele der Felsen in ein feuriges Orange gefärbt wurden. Zudem wurde die Insel ja schon zu Zeiten ihrer „Entdeckung“ von Menschen bewohnt, die in dem Gebiet der Bucht das Element Feuer genutzt haben. Die Bucht ist wirklich außergewöhnlich und sehr schön. Das Wasser ist glasklar, bei ein paar Grad mehr auf dem Thermometer wären wir sicherlich baden gegangen. Stattdessen sind wir über die Felsen geklettert, um die schönsten Fotomotive zu finden. Das Klettern liegt mir jetzt nur bedingt, weswegen ich froh war, als ich nach der Aktion wieder in den Sand hopsen durfte.

Der zweite Tag der Tour hat mir am besten gefallen. Wir sind zur berühmten Wineglass Bay gefahren. Die hat ihren Namen einerseits von ihrer markanten Form, die zweifelsohne an ein Weinglas erinnert. Andererseits aber – und den Aspekt finde ich persönlich auf tragische Weise spannend – kommt der Name auch von der weinroten Farbe, die das Meereswasser in der Vergangenheit regelmäßig hatte. Immer dann nämlich, wenn die Jagdsaison auf vorbeiziehende Pottwale begonnen hatte. Dann wurden die Wale in die Bucht gedrängt und dort abgeschlachtet. Das Ganze fand so lange statt, bis es kaum noch Wale in der Gegend gab. Der Bestand hat sich bislang nicht wirklich erholt.

Um die dennoch sehr schöne Aussicht auf die Bucht genießen zu können, muss man einen Berg erklimmen. Da wir früh am Tag unterwegs waren, waren noch recht wenig Leute unterwegs. Oben angekommen, wurden wir dann mit einem Wallaby belohnt, das einfach so am Aussichtspunkt saß. Ich fand die Situation so absurd, dass ich der Überzeugung war, jemand hätte das Känguru dahin gesetzt und ihm gesagt, es solle dort mal auf die Touristen warten. Da die Tiere in der Gegend die Reisenden gewöhnt sind und sicherlich angefüttert wurden, ließ sich das Wallaby nicht aus der Ruhe bringen, als es alle Anwesenden aus allen Perspektiven fotografiert haben. Natürlich konnte auch ich nicht widerstehen.

Nach dem relativ anstrengenden Aufstieg hatten wir das Verlangen, uns in die Fluten zu stürzen. Aber zwischen uns und dem Wasser lag noch eine ganze Ecke Weg. Abwärts war das Ganze noch kein großes Problem. Der wunderschöne und weil schwer zu erreichende, auch recht einsame Strand war alle Mühen wert. Aber der Preis war recht hoch: Unser Bus stand ja auf der anderen Seite des Berges und so ging es den ganzen Weg retour. Danach war ich fix und fertig und heilfroh über eine weitere recht lange Busfahrt.
Unser nächster Halt sollte am Bonorong Sanctuary stattfinden. Dort bekamen wir eine Führung, in der uns alles über die Auffangstation für verwaiste und verletzte Wildtiere erklärt wurde. Da Australien und Tasmanien insbesondere viele endemische Tierarten hat, ist der Artenschutz hier besonders wichtig. Neben dem noch zahmen Wombat haben wir auch einige Tasmanische Teufel kennengelernt. Diese sind derzeit besonders bedroht, da sich eine gemeine und ansteckende Krebsart bei ihnen ausbreitet, für die es (noch) kein Heilmittel gibt. Die Ohren der Teufel sind übrigens vor allem dann rot, wenn sie Beute wittern, da sie dann besonders gut durchblutet werden. Uns Menschen würden die Teufelchen aber nichts tun. Wir sind auch zu schnell und schmecken wohl eher nicht.
Den dritten Tag haben wir zunächst auch überwiegend im Bus verbracht. Allerdings gab es interessante Zwischenstopps. Vor allem gefallen haben mir die Remarkable Cave, deren Ausgang, aus dem richtigen Winkel betrachtet, in etwa dem Umriss von Tasmanien entspricht. Spannend fand ich auch, Devil’s Kitchen, den Tasman Arch und das Blowhole. Alle drei sind verrückte Felsformationen, die im Laufe der Zeit und unter Einfluss des Meereswassers ihre Formen verändert haben.

Weniger spannend fand ich alter Geschichtsbanause Port Arthur. Das ist ein Gelände, auf dem wir drei Stunden verbracht haben. In die Gegend wurden zu Zeiten von Tasmaniens Besiedlung die ersten Strafgefangenen gebracht. Dort „durften“ sie arbeiten und leben. Da Tasmanien ja abgesondert war, stellten die bösen Buben (es waren wirklich nur Männer) für die restliche Bevölkerung so keine Gefahr mehr dar und konnten nur sich gegenseitig ärgern.
Schlussendlich war ich froh, am Zielpunkt in Hobart anzukommen. Vielleicht bin ich wirklich nicht gut für Gruppen geeignet, zu alt oder zu intolerant. Aber ich kann nicht immer gut aushalten, was andere Menschen um mich herum so machen oder wie sie sich verhalten. Dennoch bereue ich nicht grundsätzlich, diese Tour gebucht zu haben. Ich habe doch einige schicke Stellen der Insel gesehen, die ich sonst wahrscheinlich nicht auf meiner „Liste“ gehabt hätte.
Bewertung insgesamt: 2,5 von 5 Punkten




