Oder auch: Mein erstes Schnorchel-Abenteuer
Warum kommt man nach Cairns? Natürlich, weil man ins Great Barrier Reef möchte. Auch ich wollte das weltweit größte zusammenhängende Korallenriff noch sehen, bevor es in Kürze sterben wird. Dabei musste ich verdrängen, dass auch ich mit meiner Schnorcheltour zum Sterben des Riffs beitrage.

Ich habe mich entgegen der Empfehlung meines Tourvermittlers für eine Schnorcheltour ohne Einführungstauchstunde entschieden. Diese Entscheidung habe ich nicht bereut. Aber von Anfang an:
Morgens gegen neun bin ich gemeinsam mit rund 50 anderen Menschen, die ins Backpackerbild passen, auf dem Boot angekommen. Als erstes sollten wir unsere Schuhe ausziehen, wurden mit Brille, Schnorchel und Stingersuit (als Quallenschutz) ausgestattet und mussten ein paar Papiere unterschreiben. Dann hat uns die Crew sehr freundlich empfangen und uns ein paar Hinweise gegeben. Bereits zu dem Zeitpunkt kam die Vohersage, dass sich bereits ein paar Minuten später wohl einige von uns auf dem hinteren Deck einfinden würden, um, sagen wir, ihre Seekrankheit zu bekämpfen. Diese weise Vohersage verdanken wir dem – mal wieder – suboptimalen Wetter. Es regnete in Strömen und wir hatten Windstärke 6,5 mit entsprechendem Wellengang. Ab Windstärke 7 werden Touren abgebrochen.
Nach dem Willkommen ging die anderthalbstündige Fahrt Richtung Riff los und es dauerte nicht allzu lange, bis die ersten Leute den Weg nach hinten suchen mussten. Die Wellen waren irre. Ich wurde zum Glück von jeglicher Seekrankheit verschont, aber etwa die Hälfte der Mitreisenden hatte wirklich zu kämpfen.
Am ersten Stop angekommen, wurde es hektisch. Alle Schnorchler sollten eingecremt und umgezogen auf das hintere Deck kommen. Ich hätte für den Anzug eine Gebrauchsanweisung gebraucht und hab mich mäßig gut angestellt, aber in das Ding gepasst. Immerhin. Aus irgendwelchen Gründen war ich dann trotzdem die erste, die ins Wasser springen(!) sollte.


Das Schnorcheln hat erstaunlich gut geklappt, zumal die Bedingungen gut waren. Ich hatte das Glück, dass ich eine halbe Ewigkeit im Wasser bleiben durfte, während die Leute mit Tauchkurs in Gruppen eingeteilt jeweils nur ein paar Minuten unterwegs sein konnten. In meiner Zeit habe ich unfassbar bunte und verschieden Korallen und Fische gesehen. Man kann in (vergleichsweise schlechten) Bildern und Filmen leider nicht die Farbenvielfalt wiedergeben, da Kameras immer Farbe schlucken. Es ist erstaunlich, wie wunderschön und zugleich zerbrechlich diese Unterwasserwelt ist. An einigen Stellen hatte ich Mühe, die Korallen und Tiere nicht zu berühren, weil sie so nah an der Wasseroberfläche waren.


Mein absolutes Highlight war die Schildkröte, die in meiner Nähe einfach so aufgetaucht und weiter geschwommen ist. Eine Meeresschildkröte zu sehen, war mein erklärtes Ziel. Es war aber auch überragend, inmitten einer Schule handgroßer blauer Fische zu schwimmen. Die Fischgruppe wurde einfach immer größer und größer. Nemo habe ich leider nicht gefunden, aber seine Freundin Dory war zahlreich vertreten.

Nach einer kurzen Stärkung an Deck ging es kurze Zeit später zum zweiten Tauchgang. Hierfür sind wir in die Nähe einer Sandinsel gefahren, die wir auch betreten durften, so lange wir die Vogelkolonie in Ruhe ließen. Doch das war leichter gesagt als getan, denn mittlerweile hatten sich die Witterungsbedinungen wieder deutlich verschlechtert. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer sein kann, gegen Wellen und Strömung im Starkregen zu schwimmen und die Orientierung zu behalten. Zunächst ging es für mich deshalb zurück zum Schiff. Im zweiten Anlauf ein paar Minuten später habe ich es dann gerade so auf die Insel geschafft. Die Herausforderung dabei ist neben dem Wahren der Orientierung vor allem, nicht panisch zu werden, wenn man nicht vom Fleck kommt. Die kleine Insel war wirklich wie ein Strand, sodass ich recht schnell zurück ins Wasser gegangen bin.
Das Schnorcheln dort hat mir nicht ganz so gut gefallen, da es weniger Korallen gab, die zudem tiefer lagen und weniger spektakulär aussahen. Und die Schildkröte vom ersten Tauchgang konnte auch der Stachelrochen, der später noch auftauchte, nicht toppen.

Insgesamt war meine erste Schnorchelerfahrung eine sehr, sehr gute! Ich werde nochmal schnorcheln gehen, sollte ich wieder ein lohnenswertes Ziel finden. Das Great Barrier Reef ist wirklich schon zu großen Teilen tot, das sieht man stellenweise auch in den weniger geschädigten Gebieten. So gesehen fällt es mir schwer, zu einem Tauchgang hier zu raten, aber sehenswert ist es allemal. Vor allem aber ist das Riff schützenswert! Das fängt schon damit an, dass ich bei meinem Spaziergang auf der Promenade in Cairns bereits drei Plastikteile im Wasser habe schwimmen sehen, die da nicht hingehören. Wenn wir uns ein bisschen mehr um unsere Umwelt kümmern, können wir das Sterben von Naturwundern wie dem Great Barrier Reef vielleicht nicht verhindern, aber bestimmt etwas herauszögern.
Bewertung insgesamt: 4,5 von 5 Punkten
