Oder auch: Zwischen Wasserfällen und ganz viel Eukalyptus
Wer in Sydney ist, muss einen Tagesausflug in die Blauen Berge machen. Die Blue Mountains liegen ca. zweieinhalb Zugstunden von Sydney entfernt und haben ihren Namen von dem blauen Dunst erhalten, der sie aufgrund der vielen Eukalyptusbäume und ihren Ausdünstungen kennzeichnet.

Vorab ein Tipp: Solltet Ihr die Blue Mountains sehen wollen, spart Euch die organisierten Touren dahin. Man kommt mit der normalen Opal Card für Sydneys Nahverkehr für sehr viel weniger Geld (in meinem Fall mit Rabatt ca. 5$ hin und zurück) an die gleichen Stellen wie die Gruppen. Wenn man ein bisschen weiter wandert, hat man irgendwann auch seine Ruhe vor den großen Menschengruppen.
Mein Hostel hat einen Trip in die Blue Mountains angeboten, an dem ich vor allem teilgenommen habe, weil ich am selben Tag ohnehin in die Berge wollte. Also ging es früh am Morgen los. Wir waren ungefähr zehn Leute, die zusammen mit unserem Hostel-Guru in den Zug nach Katoomba stiegen. Auf der Fahrt sind fast alle eingeschlafen, es war wirklich früh. Von Katoomba aus ging es direkt los mit „lots of walking“, wie es unser Guide aus dem Hostel nannte. Am Ende kamen wir insgesamt auf ungefähr 13km, was durchaus eine Menge ist.
Zunächst haben wir einen großen Aussichtspunkt angesteuert, von dem aus man einen Überblick über die gesamte, recht beeindruckende Größe der Blue Mountains bekommt. Von dort sieht man auch die drei bekannten freistehenden Felsen, die „Three Sisters“ genannt werden. Und jede Menge Reisende, die sich um den besten Fotoplatz streiten.

Vom Aussichtspunkt aus kann man zurück in den Shuttle-Bus hüpfen und das nächste Highlight ansteuern oder es machen wie wir und den Wanderweg beginnen. Es gibt mehrere Pfade, die ich nicht ganz verstanden habe. Aber vom Weg abkommen kann man nicht.
Die nächsten Highlights sind weitere hübsche Aussichtspunkte und dann der große erste Wasserfall. Da in der Nähe gibt es auch Kakadus, die laut schreiend über die Menschen und Bäume fliegen. Wenn man mehr Glück hat als ich, kann man die Schreihälse dabei bestimmt super fotografieren. Der erste Wasserfall scheint auch vom Shuttle-Bus angesteuert zu werden. Jedenfalls haben wir dort deutlich mehr Menschen angetroffen als auf den Wanderwegen zuvor. Auf Rücksichtnahme braucht man da übrigens nur wenig zu hoffen. Ich wollte DAS tolle Wasserfallfoto machen und habe also mein Stativ aufgebaut, die Kamera vorbereitet und ausgelöst und was passiert? Eine gutgelaunte Japanerin läuft artig ins Bild. Aber so eine Kamera auf Stativ ist ja auch leicht zu übersehen.
Am Rastplatz, an dem man die Tour auch hätte beenden können, war meine Laune dann nicht mehr ganz so ideal. Zwei entgangene hübsche Fotos finde ich doof. Also hab ich mich von meiner Gruppe verabschiedet, um in meinem eigenen Tempo weiterzumachen. Trotzdem habe ich die anderen Leute aus meiner Gruppe immer wieder eingeholt. Das ist besonders witzig, wenn man bedenkt, dass ich an noch drei weiteren Stellen mein Stativ aufgebaut und ewig fotografiert habe.
Ein zweiter Tipp am Rande, den ich leider erst im Nachhinein gehört habe: Wenn nicht unbedingt nötig, sollte man die Geländer an den Wegesrändern wohl eher meiden. Da fühlt sich das ein oder andere Spinnentier recht wohl. Obwohl wir wirklich richtig Glück mit dem Wetter hatten (strahlender Sonnenschein, aber nicht zu heiß), waren die Wege vom Regen der Vortage so aufgeweicht und einige, vor allem steile Stellen so rutschig, dass ich mich regelmäßig festhalten musste. Zum Glück habe ich aber keine Spinne bemerkt.
Im Übrigen bin ich mir sicher, dass es in den Blue Mountains auch Koalas gibt. Das ist ein so riesiges Gelände voll mit Eukalyptus, dass alles Andere sehr unlogisch wäre. Allerdings scheinen die grauen Flauschtiere aber doch nicht ganz so doof zu sein, wie man es ihnen nachsagt und halten sich, wenn überhaupt, dann gut versteckt und weit entfernt von Menschenaugen in den Blue Mountains auf.
Alles in Allem fand ich den Ausflug sehr empfehlenswert. Vor allem sollte man die Tour machen, wenn man nach Australien gekommen ist, weil man Natur erleben möchte. Ich bin aber froh, nicht unendlich viel Geld in eine organisierte Tour gesteckt zu haben, die dann womöglich nur die Hotspots abklappert. Zumal Wandern nicht unbedingt zu meinen liebsten Hobbys gehört und man eben nicht viele spannende Tiere sieht, gibt es Abzüge in der B-Note.
Bewertung insgesamt: 3,5 von 5 Punkten


