Oder auch: Es war wohl zu perfekt
Mein Haupturlaub in diesem Jahr sollte ein richtiges Highlight werden. Dank einem Flugschnäppchen nach Ecuador habe ich mich entschieden, mir endlich einen großen Traum zu erfüllen und die Galapagos-Inseln zu bereisen. Die Flüge von Madrid nach Ecuador hatte ich bereits gebucht, die Flüge nach und von Madrid zu buchen war ein Leichtes. Der tatsächlich recht hohe Preis für die Flüge vom ecuadorianischen Festland aus auf die Galapagos-Inseln überraschte mich zwar, aber an der Stelle war meine Entscheidung längst gefallen: Dieses Jahr würde ich riesige Schildkröten, Seelöwen und vielleicht sogar Pinguine aus nächster Nähe beobachten können.
Die Vorfreude stieg, die Reiseplanung nahm langsam Form an und ich ließ mir die Entscheidung offen, vielleicht vor Ort noch eine Kreuzfahrt zu buchen, da diese Fahrten dort ja so gar nichts mit dem zu tun haben, was ich mir so unter dem Begriff „Kreuzfahrt“ vorstelle. Am Dienstag machte ich mich dann vollbeladen mit Gepäck, Aufregung, einem extra gekauften Neoprenanzug und auch ein bisschen Nervosität auf den Weg.

Der Flug nach Madrid lief erwartungsgemäß reibungslos. Meine Nervosität hing mit den nicht so guten Bewertungen der Airline zusammen, die mich nach Ecuador bringen sollte. Es hieß, die würden gerne mal Flüge streichen. So viel sei verraten: Mein Flug wurde nicht gestrichen.
In Madrid angekommen, hatte ich noch einige Stunden Zeit, bevor nachts um 1:05 Uhr mein Flug nach Guayaquil in Ecuador starten sollte. Ich wollte aber mein Gepäck loswerden und daher recht früh einchecken. Da der Schalter erst 20:30 Uhr öffnete, vertrieb ich mir die Zeit bis dahin mit Abendessen. Kurz vor halb neun stand ich dann in einer Schlange vorm Check-in. Mir fiel auf, dass die anderen Passagiere ziemlich viel Gepäck hatten. Die meisten mussten dann auch noch irgendwas hin und herpacken, damit sie ihr Gepäck aufgeben konnten. Endlich war ich an der Reihe. Normalerweise geht das Gespräch beim Check-in ja recht schnell. Und so beschlich mich schon nach wenigen Sekunden ein ungutes Gefühl. Die Frau am Schalter klickte lange an ihrem Computer rum und griff schließlich zum Telefon. Auf meine Frage, ob alles okay sei, reagierte sie zunächst nicht. Nach einer Weile sagte sie, sie hätte ein technisches Problem, aber mit meiner Buchung sei alles okay. Ich versuchte mich zu beruhigen. Nach noch einer gefühlten Ewigkeit gab sie mir meine Unterlagen zurück und forderte mich auf, mich beim Info-Schalter zu melden, weil sie meine Buchung im System nicht finden könnte. Mein Gefühl hatte sich also bestätigt.
Am Info-Schalter erfuhr ich nach einigen bangen Minuten, dass ich angeblich nur die Steuern, nicht aber den Flugpreis bezahlt hätte. Daher hätte die Airline meine Buchung storniert. Ich könne jetzt den Flug neu buchen, allerdings sei der Rückflug ausgebucht. Die Alternative einige Tage später war für mich nicht zu ermöglichen. Da war er also, dieser Moment, aus dem meine Albträume sind.
Mir war sofort klar, dass ich nicht auf die Galapagos-Inseln fliegen würde. Trotzdem diskutierte ich mit der Mitarbeiterin der Airline und zeigte ihr meine Rechnung, auf der eindeutig stand, dass sich der von mir gezahlte Preis aus Steuern und Flugpreis zusammensetzte. Es half nichts. Sie riet mir, mich an den Flugverkäufer zu wenden. Es war abends gegen 21 Uhr und ich hatte nicht erwartet, überhaupt irgendwen zu erreichen. Die Hotline war aber tatsächlich noch besetzt. Nach einer Stunde telefonieren, in der Warteschleife hängen, wieder telefonieren und ein paar Tränen stand es dann wirklich fest: In diesem Jahr fliege ich nicht auf die Galapagos-Inseln. Die Vorfreude, die Planung, die Hotelreservierungen und Flugbuchungen und die drei Wochen Urlaub auf Arbeit – alles umsonst. Wie enttäuschend so ein Moment ist, muss ich wahrscheinlich gar nicht beschreiben.

Nachdem ich einige Zeit einfach nur enttäuscht und wütend war, wurde mir bewusst, dass ich ein paar Sachen zu regeln hatte: Zunächst einmal stornierte ich die Hotelbuchungen und versuchte, die Galapagos-Flüge zu canceln. Vor allem letzteres war recht aufwändig, da die Internetseite nicht so wollte wie ich und die Mitarbeiterin an der Hotline einen zwar netten, aber schwer verständlichen spanischen Akzent hatte. Und dann war da ja noch die Tatsache, dass ich am Flughafen in Madrid saß und von da irgendwie wegkommen wollte. Sicherlich hätte ich auch ein paar Tage in Madrid bleiben können, aber ich war weder auf 36 Grad, noch auf Stadtbesichtigungen einer mir schon bekannten Stadt eingestellt. Und Lust hatte ich sowieso auf gar nichts mehr. Auch der mögliche Flug nach Portugal reizte mich so gar nicht. Ich wollte nur noch nach Hause und mich in meinem Bett vergraben. Also buchte ich den ersten möglichen Flug zurück nach Berlin und verbrachte die Nacht bis dahin in einem Café am Flughafen.
Am nächsten Morgen kam ich dann vollkommen übermüdet in Berlin an. Ich hoffe, dass ich zumindest einen Teil meiner Ausgaben erstattet bekomme. Wie es aussieht, kann ich zwei der drei beantragten Urlaubswochen zu einem späteren Zeitpunkt antreten, worüber ich sehr erleichtert bin. Was mich aber noch immer sehr traurig macht, ist, dass ich die Reise, auf die ich mich wirklich lange gefreut habe, nicht werde machen können. Zumindest in absehbarer Zeit nicht. Irgendwann komme ich auf die Galapagos-Inseln, das steht von nun an fest!
